Ist ein Rentenalter überholt?

Der moderne Mensche arbeit sein Leben lang. Das Modell der „Pensionierung“ stammt aus der Nachindustrialisierung und ging davon aus, dass Menschen sich körperlich verbrauchen. Aber gilt das für eine Dienstleistungsgesellschaft wie der unseren?

Sollte das Pensionierungsalter nicht zweigeteilt und die Höhe der ausbezahlten Gelder abgestuft werden? Menschen welche sich verbrauchen durch körperliche Arbeit z.B. auf dem Bau und in der Landwirtschaft (mit 65 Jahren) und Menschen, welche ihren Alltag in Büros verbringen (mit 75 Jahren). Kopfarbeit verbraucht nicht. Eher gilt das Gegenteil. Das Hirn nutzt sich nicht ab.

Über Fünfzigjährige die über die Pensionierung nachdenken und sagen: „Dann mache ich endlich das, was ich immer schon tun wollte“ oder „endlich Zeit haben“, schaudern einem. Das „tun“, was man möchte und „Zeit haben“ muss ein lebenlanges Gut und in jeder Tätigkeit das Ziel sein. Wenn viele Ältere am herrschenden System festhalten und auf die Pensionierung harren, deutet dies nicht auf grosse Zufriedenheit bei ihrer Tätigkeit hin.

Schafft nicht lebenslange Tätigkeit Sinn? Und würde ein lebenslanges Tätigsein nicht das rasante Wachstum der Altersindustrie bremsen, die uns uns über den Kopf zu wachsen scheint und das System finanziell in Bedrängnis bringt? Ein neuer Markt für Arbeit und Tätigkeit ab 50 wächst langsam heran. Wären nicht gerade wir, die über 55-ährigen gefordert, diesen Markt voranzutreiben und Spielregeln zu formulieren, statt ihn alleine der Industrie zu überlassen?

Ab einem gewissen Alter erhält jeder sein Existenzminimum vom Staat. Über den Zeitpunkt und die Höhe entscheidet die individuelle „Verbrauchtheit“ durch die geleistete Lebensarbeit. Die Diskussion über Altersvorsorge sollte mehr um die Themen: „Wie unterscheidet sich die Altersvorsorge einer Industriegesellschaft von einer Dienstleistungsgesellschaft?“ oder „Warum kümmern Alte sich nicht vermehrt um Alte?“, geführt werden.

Kommentar (1)

  1. „Warum kümmern Alte sich nicht vermehrt um Alte?“ Ich denke, das liegt an der mangelnden Akzeptanz des eigenen Alters, der eigenen Lebenssituation, die man bei „Kümmern um Alte“ gespiegelt sieht und nicht mehr verleugnen kann.

    Hinzu kommt bei manchen der sprichwörtliche „Altersstarrsinn“, der neuen Kontakten zu Alten entgegen steht: Was nicht ist wie ich, nicht denkt, wie ich, nicht genauso lästert wie ich, kann mir gestohlen bleiben.

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