Als Kind im Sog des elektronischen Bildes

Als 1960 Geborene gerieten wir in den totalen Sog des elektronischen Bildes. Am 21. Juli 1969 wurden die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond mit nur wenigen Sekunden Verzögerung in zahlreiche Länder übertragen. Während es in Houston in Texas noch Sonntagabend war, war es bei uns in Europa mitten in der Nacht. Mein Vater und ich sassen gebannt vor dem Fernsehgerät und sahen verschwommene, schwarz-weiss Bilder und hörten ein fremdartiges Rauschen im Hintergrund. Dazwischen die Stimmen der Astronauten. Die Fernsehbilder des Ereignisses waren mindestens so wichtig wie das Ereignis selbst.

Mit den Sommerspielen der Olympiade von 1972 war das Fernsehen endgültig zum visuellen Leitmedium der sechziger bis achtziger Jahre aufgestiegen. Die Auswirkungen auf andere Bildmedien und die bildende Kunst sowie langfristig auf die Politik waren gewaltig. Wir Kinder standen mitten im Sog.

Aufzeichnung de.wikipedia.org/wiki/first_steps_on_the_moon.ogv
Quelle: Gerhard Paul, Das visuelle Zeitalter, Punkt und Pixel, Wallstein Verlag 2016

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